Wer oder was sind eigentlich Nachtfalter?

Mit weltweit rund 100.000 nachgewiesenen Arten bilden die Schmetterlinge nach den Käfern die zweitgrößte Ordnung der Insekten.
Wissenschaftlich lässt sich die Ordnung Schmetterlinge (Tag- und Nachtfalter) in 18 Großfamilien und über 100 Familien einteilen.

In Mitteleuropa sind circa 4.000 Nachtfalterarten nachgewiesen, etwa 3.700 davon in Deutschland. Nur 185 weitere Arten zählt man in Deutschland zu den Tagfaltern. Der Rest, also etwa 95% der Schmetterlinge, sind Nachtfalter.

Faszination Nachtfalter

Am besten kann man Tag- und Nachtfalter durch die Betrachtung ihrer Fühler und Flügel unterscheiden.

Bei Tagfaltern sind die Fühler am Ende verdickt und keulenförmig. Bei Nachtfaltern sind die Fühler spitz zulaufend und häufig mit Seitenästen gefiedert. Nachtfalter klappen in Ruhe ihre Flügel dachförmig flach über dem Körper zusammen, bei Tagfaltern stehen sie aufrecht.

Das Leben eines Nachtfalters/eines Schmetterlings:

Im Laufe ihres Lebens durchlaufen alle Schmetterlinge, also Tag- und Nachtfalter ,vier Phasen: Ei, Raupe, Puppe, Falter.
Ein weiblicher Falter legt mehrere Eier, die an bestimmten Pflanzen, den sogenannten Raupenfutterpflanzen angeklebt werden. Aus jedem Ei schlüpft eine Raupe, die sich von dieser und meist auch anderen Pflanzen ernährt. Ist die Raupe (meist nach mehreren Wochen unermüdlichen Fressens) und mehreren Häutungen groß genug, sucht sie sich einen geschützten Ruheplatz. Dann verwandelt sich die Raupe in eine Puppe.

In dieser Puppe verborgen vollzieht sich die vollständige Wandlung von der wurmartigen Raupe in einen zarten geflügelten Falter. Schmetterlinge heißen auch Sommervogel, weil die meisten Falter nur im Sommer fliegen. Je nach Art verschieden, überwintern die Tiere als Ei, Raupe, Puppe oder Falter.

Schon mal gehört? Die wichtigsten Familien der Nachtfalter sind:

Eulenfalter
Schwärmer
Spinner
Bärenspinner
Sichelflügler
Wurzelbohrer
Zünsler
Federmotten
Langhornmotten
Widderchen
und noch viele andere Familien.

Faszinierende Tiere, auch wenn wir nicht alles an ihnen mögen:

Denn es gibt auch Nachtfalter, die Pflanzen und Menschen schaden. Das passiert immer im Raupenstadium, wie z.B. bei den Wurzelbohrern oder den Zünslern. Zu den Zünslern gehören auch die berüchtigten Mais- und Buchsbaumzünsler. Einige Nachtfalter (z.B. Gespinstmotten) neigen zur Massenentwicklung, diese können in wenigen Tagen ganze Bäume kahl fressen oder Ernten vernichten. Links: Motte und "Werk".

Eine so enorm große Artengruppe wie die Nachtfalter hat wiederum viele natürliche Feinde.
So werden sie von Vögeln, Fröschen, Eidechsen, Fledermäusen und kleineren Säugetieren gejagt und gefressen. Aber auch Spinnen und Insekten wie Wespen, Ameisen, Hornissen, Käfer und einige Wespen- und Fliegen ernähren sich von ihnen. Nachtfalter sind daher für andere Tiere lebenswichtig und für die Öko-Systeme unverzichtbar.

Gefährdung der Tag- und Nachtfalter
Lebensräume von Tag- und Nachtfaltern sind so vielfältig wie sie selbst

Schmetterlinge kommen im Offenland, in Wäldern, auf Wiesen, Weiden, Magerrasen, Schneisen, Lichtungen, Feldern oder in Gärten und Grünflächen der Städte vor. Selbst mit „insektenfreundlich“ gestalteten Balkonen und Fensterbänken können wir sie anlocken.

Flächen mit differenzierter und blütenreicher Flora werden von den Faltern in der Regel als Flugplätze bevorzugt.Viele Arten sind sehr standortstreu, sodass bereits kleine Veränderungen die Existenz der Tiere bedrohen können. Fällt ein Lebensraum weg, weil z.B. eine lebendigen Streuobstwiese einem Gewerbegebiet weichen muss, wird der Nachtfalter hier nicht mehr vorkommen. Und falls er überlebt hat, wo soll er hin? Ob er einen alternativen Lebensraum findet, ist ungewiss. Auch bereits eine intensivere Landnutzung durch den Menschen kann die Tiere gefährden oder vertreiben.

Für viele Nachtfalter ist die Lichtverschmutzung durch künstliche Lichtquellen eine weitere Gefährdung ihrer Existenz

Sie werden magisch von Straßenlaternen, Leuchtreklamen, von Vorgartenbeleuchtung oder anderen Lichtern angezogen und das bedeutet oft den Tod der Nachtfalter. Denn sie werden so leichte Beute für Fledermäuse, oder sie verbrennen oder sie fliegen bis zur Erschöpfung um die Lichtquelle herum, und bleiben womöglich bis zum nächsten Sonnenaufgang sitzen, wo sie als leichte Beute vielen Vögeln zum Opfer fallen. - Diese Lichtquellen wirken also wie Staubsauger, die die Falter auf ihrem Lebensweg „aufsaugen“, was sie daran hindert, sich mit ihren Artgenossen zu treffen, sich zu paaren und zu vermehren.

Schützen wir die Populationen der Nachtfalter, schützen wir auch andere Tiere.
Denn wir sorgen für ein lebensnotwendiges Nahrungsangebot für Vögel, Amphibien, Fledermäuse und andere Kleinsäuger.

Wie leider allzu oft, ist wahrscheinlich der Mensch die größte Gefahr für die Nachtfalter. Aber, wir Menschen können auch Gutes tun!

Also, lasst uns Nektar-Bars für Schwärmer, Spinner & Co anlegen und betreiben.

Unterschieden werden Tag- und Nachtfalter durch ihre „Flugzeiten“. Tagfalter fliegen nur am Tag. Nachtfalter können sowohl am Tag als auch in der Nacht aktiv sein. So ist das kolibriartig schwirrende Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) ein tagaktiver Nachtfalter. Ebenso das schöne Blutströpfchen, das man auch Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae) nennt.

Oben: Der Russische Bär, auch Spanische Flagge genannt (lateinisch: Euplagia quadripunctaria) ist ein tagaktiver Nachtfalter Europas.

Unten links: Der Totenkopfschwärmer (Acherontia Atropos) ist ein Wanderfalter, der riesige Strecken zurücklegen kann und eigentlich im Süden Europas und in Afrika vorkommt. Berühmt wurde er durch den Roman und den gleichnamigen Film "Das Schweigen der Lämmer".

Unten rechts: Das Abendpfauenauge (Smerinthus ocellata) ist als Raupe recht auffällig, später als Nachtfalter sitzt er tagsüber meist gut getarnt auf Baumstämmen. Falter und Raupe können bis zu acht Zentimeter groß werden. Noch ist das Insekt in ganz Europa verbreitet.

Bei manchen Nachtfaltern erkennen wir bereits am Namen, wie stark er von bestimmten Nahrungspflanzen abhängig ist. So findet man die Skabiosen-Langhornmotte (Nemophora metallica) als tataktiven Nachtfalter oft auf den heimischen Wildstauden der Skabiosen-Arten und auf Acker-Witwenblumen (links). Beim Windenschwärmer (Argus convulvuli ) sind es die Futterpflanzen der Raupen, die ihm den Namen gaben. Die Insekten benötigen in diesem Stadium die Blätter von Acker- und Zaunwinden. Als Nachtfalter sieht man ihn nachts mit seinem langen Rüssel Nektar an Seifenkräutern, Nachtkerzen oder auch Tabak "schlürfen". Er überrascht mit großen Wanderungen und Fluggeschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern.